Heilige Tage
Unser Wort Urlaub leitet sich her von „Erlaubnis.“ Im Mittelhochdeutschen bezeichnete „urloup“ die Erlaubnis des Lehnsherrn dem Ritter gegenüber, „weggehen“ zu können. Vielleicht typisch deutsch, dass sich gerade dieser Aspekt des Urlaubs in der Sprache erhalten hat.
Einen anderen Blick hat die sprachliche Weisheit der Italiener, Spanier, Franzosen und Amerikaner: Sie sprechen von „vacanza“ (I), vacaciones (E), „vacance (F), vacation (USA)“. Ihnen gemeinsam ist die Wurzel im lateinischen „vacare“, ein Wort mit gleich mehreren Bedeutungen: „leer, frei, unbesetzt sein“ aber auch „von etwas frei sein“ und „Zeit oder Muße haben“. Schon die Sprache lenkt den Blick darauf, dass Urlaub eine Zeit der Freiheit und der Muße ist.
Einen weiteren Aspekt fügen die Engländer hinzu: „Holidays“. Dieses Wort geht zurück auf „holy days“ (= heilige Tage), wobei „holy“ im Altenglischen dieselbe Wurzel hat wie „whole“ (= ganz, heil). Insofern ist Urlaub eine heilige Zeit, eine Zeit zum Heil- und Ganz-werden.
Sie alle, liebe Gemeinde, liebe Gäste, brauchen solche Aus-Zeiten, Ruhe-Zeiten, Frei-Zeiten – auch „wir vier“! Nur Alltag ist nicht gut. Nur Alltag gefährdet uns Menschen und unsere Beziehungen. Im Urlaub kann vieles gelebt werden, was im Alltag oft untergeht: Zeit haben für sich selbst, Wandern, Schwimmen, Neues entdecken, ein Buch lesen … Zeit haben für den Partner, die Kinder oder die alten Eltern … neue Erfahrungen sammeln und gemeinsame Erinnerungen schaffen und manches mehr, nicht zuletzt: Zeit haben für Gott. –
Von Herzen wünschen wir Ihnen und uns „Heilige Tage – holidays“, eine Zeit, die uns nicht nur „heilig“ ist, sondern vor allem eine Zeit, um für den Alltag wieder neu „heil und ganz“ zu werden.
DMB
<< zurück
Hier gibt’s den vollständigen Gemeindebrief Juli/August 2010 zum Herunterladen.